Wahrheit, oder ... ? by julianna2luv

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Story notes:

Spoiler: Nach Andys Weggang ... irgendwann in Staffel 4.

Für morcowen: Hoffe das entspricht deinen Wünschen.

Feedback: Bitte!!!
"Das ist nicht dein Ernst", sagte Pacey leise zu Dawson und schüttelte widerstrebend den Kopf. "Das kann ich nicht."
"Wie, das kannst du nicht?", fragte Dawson zurück. "Wieso?"
"Ich kann nicht. Ich weiß nicht wieso, aber--"
Die beiden jungen Männer sahen sich einige Zeit an und vielleicht vergaßen sie zwischenzeitlich wieso sie hier waren, denn der Alkohol und seine Wirkung hatten bereits eingesetzt.
Sie hatten sich heute irgendwann getroffen und aus irgendeinem seltsamen Grund hatten sie begonnen sich zu betrinken. Hey, vielleicht war jemand gestorben. Und da ständig irgendwelche Leute starben, war das eine praktische Ausrede. Das musste sogar Joey einsehen. Miss Perfect Joey. Miss *Ich trinke keinen Alkohol* Joey. Pfft. Sie konnten auch allein Spaß haben. Definitiv. Sie hatten zwar nach den letzten drei Tequilas keine Kraft mehr aufzustehen und in eine Disco zu fahren, aber das machte nichts. Sie konnten auch liegenbleiben und ... liegenbleiben. Sie hatten sowieso keine Lust zum Tanzen gehabt, oder einen Film zu sehen oder irgendwas zu machen.
Dann hatte Pacey die tolle Idee gehabt Wahrheit oder Pflicht zu spielen. Und Pacey war es auch der Pflicht genommen hatte, in der Hoffnung, dass Dawson einschlief oder ihn höchstens dazu brachte die Hände im Klo zu waschen. Dawson fiel es natürlich als erstem wieder ein und er zeigte hinüber auf die Terrasse der Lindleys, wo Jen und Jack saßen.
"Du gehst einfach hin und ..."
"Nein!"
"Es ist ein einfacher Kuss, Pacey."
"Dann tu du‘s doch", schnappte Pacey wütend und sah in Richtung Terrasse. Er hasste Jen dafür, dass sie aus New York hierhergekommen war. Er hasste sie dafür, dass sie dort sitzen musste. Jetzt! An einem Samstag. Warum konnten sie und Jack nicht feiern gehen wie jeder anständige Teenager in Capeside? Pacey und Dawson ausgenommen.
"Du hast vergessen, dass du Pflicht gesagt hast."
"Weil du ja nur Wahrheit sagst, was unglaublich langweilig ist, weil ich schon alles über dich weiß."
"Also dein Problem. Außerdem war es in erster Linie deine Idee Wahrheit oder Pflicht zu spielen."
"Ach, fuck you", murmelte Pacey, schwankte ein bisschen und setzte sich schließlich in Bewegung, blieb stehen und Dawson begann zu grinsen.
"Leery, hör auf zu grinsen."
"Hey, ich mache nichts", sagte Dawson verteidigend und schaffte es irgendwie ein ernstes Gesicht zu bekommen.
"Hör einfach auf." Dann zu sich selbst: "Das war mal wieder ‘ne Scheißidee. Ich gehe jetzt darüber und erfülle meine Pflicht."
Pacey nahm einen tiefen Atemzug und ging hinüber zu Jen und Jack.
"Hey, Pace", meinte Jen und lächelte ihn an.
"Hey Jen, Jack." Seine Hände wurden feucht als Jack ihn ansah und lächelte.
Pacey war sprachlos und das kam nicht sehr oft vor. Fragte man Dawson, so kam es eigentlich nie vor. Aber da Dawson dazu neigte leicht zu übertreiben, war er wohl nicht die richtige Person mit der man über diese Angelegenheit sprechen sollte.
Pacey verfluchte Dawson gerade. Dawson und seine romantisch filmerisch verklärten Gedanken, wo alles ein langer Teeniefilm war, alles eine Prämisse hatte und einen Sinn und wo es noch als irgendwie komisch, Schrägstrich tragisch herüberkam, wenn der Anti-Held jemand küssen musste beim Wahrheit oder Pflicht spielen. In Wirklichkeit sah das aber anders aus. Da konnte man nicht einfach auf Betschwester Lindleys Terrasse marschieren und Jemand küssen. Nein, nicht irgendjemand.
Jack.
Jack saß, gutaussehend und schwul wie immer, neben Jen und fragte sie die französisch Vokabeln ab, was Pacey daran erinnerte, dass er die Vokabeln gar nicht abgeschrieben hatte und vielleicht musste er ganz dringend wieder nach Hause und—
"Was ist, Pacey, willst du da einfach nur stehen und Jack anstarren?", fragte Jen in ihrer netten, höflichen Art und zog ein wenig eine ihrer Brauen hoch.
"Ahh ..." Wie eloquent, Pacey, dafür dass du mit deiner Englischlehrerin geschlafen hast, hast du einen tollen Wortschatz.
Nun schaute ihn Jack auch an und Pacey war sich sicher, dass er rot wurde. Bestimmt konnte Jack es riechen, wenn ein heterosexuell veranlagter Typ Gedanken in Richtung Sex mit Frau hatte. Ganz sicher. Er spürte es in seinen Wangen aufziehen, hoch in seine Nase, seine Lider, hinunter in die Augäpfel, ja, er wurde rot. Und Jack runzelte die Stirn auf eine unglaublich süße Art und Weise und—
Hey, hatte er das gerade gedacht? Pacey kickte sich innerlich und fragte sich, ob er begann zu spinnen, oder ob er jetzt schwul wurde. Er war doch nicht schwul, oder? Ich meine ... Hallo? Außerdem konnte man nicht einfach schwul werden. Joey würde das definitiv mit Nein beantworten.
Und Joey war seine Freundin, richtig? Richtig.
Und das war nur Wahrheit oder Pflicht - mehr nicht. ‚Küss ihn und hau ab‘, hatte Dawson gesagt. ‚Nichts leichter als das‘, hatte Pacey gesagt.
Und dann passierte es. Dawson rief in aller betrunkenen Ungeduld Paceys Namen und Jen schaute auf und Jack schaute einen Moment lang nicht Pacey an und schon küsste dieser ihn. Mit eins, zwei Schritte war er bei ihm, hatte sich ein wenig gebückt und drückte seine Lippen auf die von Jack. Frontal, aber mit geschlossenen Lippen.
Puh. Geschafft.
Guter Junge.
Jack riss die Augen auf, blinzelte und es war seltsam ihm so nah zu sein. Ob sich Han Solo so fühlen würde, wenn Luke mit ihm darum gewettet hätte, dass er sich nicht trauen würde Chewie zu küssen? Pacey war sich sicher das Han Solo es gemacht hätte.
Plötzlich schloss Jack seine Augen und Pacey spürte seine Zunge erschreckend nah an seiner eigenen. Pacey wollte den Kuss brechen, sich wieder straffen und einfach nur rennen (etwas was Han Solo sicherlich nicht getan hätte), aber Jacks Hand lag plötzlich in seinem Nacken.
Jacks Hände waren verdammt weich. Und das bei einem Footballspieler? Wahrscheinlich zu viel Handcreme. Jack öffnete seinen Mund. Und einen Moment fragte sich Pacey, wie er eigentlich schon wieder hier hineingeraten konnte. Ach ja, betrunkener Dawson. Klar.
Und vielleicht war das sein letzter klarer Gedanke, bevor er nachließ und seinen Mund gegen den Druck öffnete. Eine fremde Zunge in seinem Mund. Ein elektrischer Schlag durchfuhr ihn. Dann; warm, anschmiegsam. Wie alles an ihm. Er roch sogar sehr gut. Seine Hände wanderten automatisch zu seinem Gesicht und es war definitiv nicht sein erster Kuss, aber doch so verschieden von Mädchen, das er eine Weile brauchte um das zu verarbeiten, während sein Körper fleißig reagierte. O Gott, er konnte doch keinen Ständer bekommen!
Aber die Zunge und die Lippen um und in ihm waren viel zu emsig, als dass er lange Zeit an etwas anderes denken konnte. Kämpften sie etwa? Oder versuchten sie sich nur zu zeigen, wer besser küssen konnte? Schwul gegen Hetero? Es war Pacey scheißegal was sie versuchten oder ob einer von ihnen versuchte einen Punkt zu machen, doch er sah keine Punkte, nur Sterne und verdammt, wo hatte der Junge gelernt so zu küssen?
Langsam entließen sie sich und Jack nippte an seiner Unterlippe und Pacey musste sich zusammenreißen, sich wieder zu erinnern wo er war und wer er war und was ZUR HÖLLE ER SCHON WIEDER TAT!
Er straffte sich. Nickte ein bisschen.
"Nett", sagte Pacey und Jack, der weder erschrocken noch in irgendeiner Art betroffen aussah, nur noch viel küssenswerter mit seinen leicht rosafarbenen Lippen, nickte.
"Ja, tatsächlich", meinte er langsam.
Damit nahm Jack sein Buch und Pacey verabschiedete sich von einer starrenden Jen, mit einem lockerem "Bye." Und war somit verschwunden.
Hinter dem Haus stand ein mit offenem Mund wartendender Dawson.
"Du hast--"
"Meine Pflicht erfüllt." Er versuchte cool zu bleiben und beruhigte seinen rasenden Herzschlag und hoffte, dass seine Aufmerksamkeit bald wieder in seinen Kopf zurückkehren würde. Nein, in seinen anderen Kopf und er wieder denken könnte. Glatt, klar, Pacey-like, na ja, oder so was in der Art zumindest.
"Und--?" Pacey war froh für die Dunkelheit, denn er glaubte, dass seine Wangen glühten.
"Wie es war?"
"Ja."
"Gut."
"Gut?" Dann herrschte Ruhe und nach einiger Zeit: "Pacey?"
"Nein, ich werde dich nicht küssen."
Dawson verdrehte die Augen.
"Idiot."
"Selber."
"Ich könnte es Joey sagen", meinte Dawson und kicherte.
"Ich könnte Gretchen sagen, dass du es mich hast tun lassen."
"Und?"
"Sie würde dich hassen, du wärst daran schuld, dass sie zwei schwule Brüder hat."
Dawson blieb stehen und Pacey drehte sich erstaunt um.
"Was ist denn nun schon wieder."
"Bist du etwa schwul?"
Pacey starrte Dawson einen Moment an und sagte dann: "Nein, spinnst du, natürlich nicht."
Aber irgendwie konnte Pacey sich das selbst nicht glauben und so lag er noch eine ganze Weile wach, abwechselnd grinsend in Erinnerung an diesen Wow-Kuss und sorgend um seine Heterosexualität, nur um schließlich festzustellen, dass er eines ganz genau wusste: Er war ein verdammter Idiot mit Dawson Leery Wahrheit oder Pflicht zu spielen wenn er besoffen war und dann auch noch Pflicht zu nehmen.

~ fin ~




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