After the Kiss by Nadia

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Story notes:

Ich hatte mir das Sequel zu ‘Merry Kissmas’ irgendwie anders vorgestellt – weniger traurig –, aber die Story hat ihr Eigenleben entwickelt und ich wollte es nicht aufhalten. Lasst mich wissen, was ihr davon haltet.
Es war ein Tag wie jeder andere in den vergangenen drei Monaten. Rodney McKay saß allein an einem Tisch im Speisesaal und sah aus dem Fenster, während er lustlos in seinem Essen herumstocherte. Einige Tische weiter, am anderen Ende des großen Raums, saß John Sheppard zusammen mit Teyla und aß sein Mittagessen.
Seit dem Kuss am Weihnachtsabend sprachen die beiden Männer kaum noch miteinander. Sie grüßten sich lediglich, hielten ansonsten aber tagtäglich Abstand zueinander. Zwar waren sie gezwungen miteinander zu arbeiten, aber darüber hinaus gingen sie sich aus dem Weg. Und dieser Umstand begann Sheppard allmählich verrückt zu machen. Sein Blick glitt hinüber zu dem anderen Mann, doch McKay achtete darauf seinem Blick nicht zu begegnen. Seine Augen blieben stur auf den Ozean gerichtet, der sich rund um Atlantis erstreckte.
„Sie sollten mit ihm darüber reden, John. Ihre Situation fängt an sich auf das Arbeitsverhältnis des gesamten Teams auszuwirken.“ Teyla legte die Gabel zurück auf den Teller und trank einen Schluck Wasser. Über den Rand ihres Glases hinweg sah sie John Sheppard an.
Sheppard kaute zu ende und schluckte die Pasta herunter, die ihm noch nie so geschmacklos und trocken vorgekommen war wie in diesem Moment. Erneut sah er hinüber zu McKay. „Ich weiß, was Sie meinen. Aber ich weiß nicht, was ich ihm sagen soll. Ständig weicht er mir aus, wenn ich versuche mit ihm über das zu reden, was vorgefallen ist.“ Er machte eine nachdenkliche Pause. „Die ganze Situation ist lächerlich. Wir haben uns einen Spaß erlaubt, mehr nicht. Drei Monate ist das jetzt her und ich verstehe nicht, warum das so eine große Sache ist.“
„Vielleicht ist es für Sie keine große Sache. Für Dr. McKay scheint es jedoch ernst zu sein. Er hat abgenommen seit diesem Vorfall.“
„Hab ich auch bemerkt“, sagte Sheppard und blickte abermals zu dem anderen Mann hinüber. Genau in diesem Moment stand McKay auf, räumte sein Tablett auf und verließ den Speisesaal. „Er hat nicht einmal hergesehen.“
„Soll ich versuchen, ihn darauf anzusprechen?“ Teyla sah McKay nach, bis er gänzlich außer Sicht war.
Sheppard fuhr sich fahrig durchs Haar, sodass es danach noch mehr abstand als es das ohnehin schon getan hatte. „Nein, ich versuche mein Glück selbst noch mal.“ Mit diesen Worten erhob sich Sheppard und folgte McKay.

Vor seinem Quartier fing Sheppard den Wissenschaftler ab. „Hey Rodney.“ Es war nur ein einfacher Gruß, aber etwas Besseres fiel ihm auf Anhieb nicht ein.
„Major. Sie stehen mir im Weg.“ McKay kam nicht an das Schaltelement, mit dem er sein Quartier hätte öffnen können, da sich Sheppard bewusst davor gestellt hatte.
„Diesmal gehen Sie mir nicht aus dem Weg.“
„Ich gehe Ihnen nicht aus dem Weg, Major.“ McKay verschränkte die Arme vor der Brust.
„Man redet über uns. Über das, was an Weihnachten geschehen ist.“ Sheppard lehnte sich nach hinten gegen die Tür, nicht willens den Wissenschaftler vorbei zu lassen. „Ich sage den Leuten ständig, dass es keine große Sache war. Dass es lächerlich ist, wie sie sich darüber das Maul zerreißen.“ McKay sah ihn an, als wolle er sagen ‚na und?’, erwiderte jedoch nichts. „Aber Ihr Verhalten macht alles unglaubwürdig, was ich den Leuten erzähle, Rodney.“
„Was mache ich denn?“
„Sie essen kaum noch. Sie sind bei der Arbeit unkonzentriert und machen Fehler. Sie gehen mir aus dem Weg und ziehen sich auch von allen Anderen zurück. Jedem fällt das auf und die Leute reden deswegen über Sie. Sie spekulieren und letztlich führen sie Ihr Verhalten zurück zu dem Kuss, der völlig ohne Bedeutung war, nur ein Scherz war.“
„Gut für Sie, Major, wenn Sie das so sehen, dass es nur ein Scherz war. Ein Scherz wäre jedoch nicht so intensiv gewesen und nicht halb so lange.“ McKays Wangen begangen sich zu röten und wiesen darauf hin, dass er allmählich nervös wurde. „Ich empfinde das ein wenig anders.“
Sheppard musterte sein Gegenüber einen gedehnten Augenblick und dachte sorgfältig über das nach, was er als nächstes sagen würde. Schließlich fragte er vorsichtig: „Ich dachte, Sie stehen auf Sam Carter.“
„Sie sind dümmer als ich zunächst annahm. Und zwischen den Zeilen zu lesen scheint Ihre Fähigkeiten bei weitem zu übersteigen.“
„Sie brauchen nicht beleidigend zu werden, Rodney. Damit werden Sie mich diesmal nicht los. Wir klären das hier und jetzt.“
„Da gibt es nichts zu klären“, erwiderte McKay resignierend und versuchte erfolglos Sheppard beiseite zu schieben, um in sein Quartier zu gelangen.
„Es hat für Sie mehr bedeutet“, stellte Sheppard ein bisschen überrascht fest. McKay sandte seit Monaten entsprechende Signale aus, doch bisher hatte sich der Major nicht eingestehen wollen, dass es tatsächlich wegen des Kusses war. „Ich weiß nicht, was Sie jetzt von mir erwarten, Rodney.“
„Gar nichts erwarte ich von Ihnen. Ich komme schon klar. Darf ich jetzt bitte in mein Quartier? Ich bin müde und möchte mich hinlegen.“
„Sie legen sich doch sonst nie mittags hin.“
„Gelegentlich ändere selbst ich meine Gewohnheiten“, erwiderte McKay bissig. „Gehen Sie mit Teyla trainieren, oder was auch immer Sie in Ihrer Freizeit zu tun pflegen und lassen Sie mich endlich in Ruhe.“
Sheppard machte noch immer keine Anstalten sich vom Fleck zu rühren. Er musterte McKay eingehend, doch der andere Mann bemühte sich seinem Blick auszuweichen. „Wir müssen das aus der Welt schaffen“, sagte Sheppard schließlich sanft.
„Ich werde sobald es mir möglich ist meine Versetzung beantragen. Zurzeit sind wir allerdings auf Atlantis gefangen. Ich werde Weir bitten, Zelenka Ihrem Team zuteilen zu lassen, damit wir nicht mehr gezwungen sein werden zusammen zu arbeiten.“
„Das ist doch lächerlich.“ Sheppard verlagerte unbehaglich das Gewicht von einem Bein aufs andere.
„Ich habe mir das lange überlegt.“
„Ich will aber nicht den Tschechen im Team. Ich will den besten in meinem Team und der sind nun einmal Sie. Zelenka kann Sie nicht ersetzen.“
„Und ich will nicht mehr in Ihrem Team sein, okay? Ich komme nicht mehr klar damit. Meine Fehler könnten das Team unnötigen Gefahren aussetzen. Ich bin hier in den Labors besser aufgehoben.“
„Was reden Sie da für einen Unsinn, Rodney!“
Abermals versuchte McKay den Major beiseite zu schieben, jedoch wieder erfolglos.
„Was empfinden Sie für mich?“
Rodney McKay war so überrascht von der Frage, dass ihm keine Antwort einfiel. Er sah sein Gegenüber nur sprachlos an und fühlte, wie Wärme in ihm aufstieg und seine Wangen zum Glühen brachte.
„Dieser verdammte Kuss hat irgendwas in Ihnen ausgelöst, nicht wahr?“ Sheppard berührte für einen flüchtigen Moment McKays Hand mit der eigenen.
„In Ihnen jedoch nicht, daher ist das Gespräch sinnlos. Es ist besser für alle Beteiligten, wenn ich aus dem Team aussteige.“
„Das werden Sie nicht!“
„Was wollen Sie dagegen tun?“ Für einen Augenblick sah Sheppard die Arroganz in McKays Augen aufblitzen, die er so sehr mochte.
„Alles in meiner Macht stehende“, war Sheppards simple Antwort.
„Dieses Gespräch langweilt mich, Major. Könnten Sie jetzt also bitte so freundlich sein und Ihren Hintern fortbewegen.“
Sheppard wusste nicht, was er noch tun oder sagen sollte. Er wusste nur, dass er Rodney nicht verlieren wollte. Es ging ihm nicht nur darum, dass er McKays Brillanz in seinem Team behalten wollte. Er mochte den Wissenschaftler wirklich. Sie hatten eine enge Freundschaft zueinander entwickelt, auch wenn dies keiner von beiden zugegeben hätte. Nun, zumindest nicht bis zu jenem Vorfall, der nun alles zu zerstören schien.
Auch für ihn war der Kuss nicht unangenehm gewesen, doch das war kein Grund für ihn etwas zu forcieren, das nur Probleme im Team verursachen und die Arbeit auf Atlantis im Allgemeinen beeinträchtigen könnte. Es ging nicht darum, dass McKay ein Mann war. Sheppard vermied es generell schon seit jeher mehr als Freundschaft zu seinen Kollegen zu pflegen. Dass McKay der erste Mann war, den er in seinem ganzen Leben geküsst hatte, war nebensächlich. Alles was über Freundschaft hinausging hatte einen schlechten Einfluss auf die Zusammenarbeit, wie man auch in diesem Fall besonders gut sehen konnte. Und er wollte verhindern, dass es zu noch mehr Problemen innerhalb seines Teams kam als ohnehin schon.
Um nicht alles noch schlimmer zu machen, entschied Sheppard sich schließlich McKay den Weg freizumachen und trat beiseite.
„Es tut mir Leid, dass ich Ihre Gefühle nicht erwidern kann, Rodney.“
„Schon klar, Major“, erwiderte McKay ohne den anderen Mann anzusehen, als sich die Tür zu seinem Quartier öffnete und ihm endlich erlaubte zu flüchten. Und nichts Anderes war es, das McKay tat. Als sich die Tür hinter ihm schloss, ließ er sich mit einem tiefen Seufzen am Naquadah entlang auf den Boden sinken. „Mir tut es auch Leid.“
Auf der anderen Seite der Tür blickte Sheppard noch eine Weile auf das Naquadah, ehe er sich langsam davon machte. Er hoffte, dass sich alles wieder zum Alten ändern würde, aber eine Stimme in seinem Kopf sagte ihm, dass dies nicht möglich war.


~fin




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