eFiction demo archive
your resource for free layouts

Control Ccenter

Register Login Lost Password

Stats

We are the home of 8 authors from among our 9 members. There have been 10 reviews written about our 45 stories consisting of 81 chapters and 203090 words. A special welcome to our newest member, Papaschaf.

Who's Online

Guests: 2
Members:

Shoutbox

Nadia
06.21.11 04:22 pm
Welcome to my efiction test archive. You can't download any skins from here but you can have a preview.
If enabled this would be the place for your shoutbox

Skin Change

Here you can switch between themes.


Poll

There is no poll currently active.
Poll Archive
If enabled this would be the place for your poll
7.03 - Kampf um's Sorgerecht by Nadia, Rachel

[Reviews - 0]   Printer
Table of Contents

- Text Size +
Story Bemerkung:
Mehr Episoden auf http://thecreek.virtuelle-serien.de
Jack McPhee saß, den Kopf auf die Hände gestützt am Küchentisch, die Augen noch immer ungläubig auf das Stück Papier gerichtete, welches vor ihm lag.

Eigentlich sollte dieser Tag für ihn und Amy völlig normal verlaufen. So wie jeder der Tage in den vergangenen Monate.
Amy schlief an diesem Tag länger als sonst, was Jack die Möglichkeit gab, bereits am Morgen ein wenig Zeit für sich zu haben. Aber eigentlich bedeutete das für ihn nur, dass er sich daran machte die letzten Umzugkartons auszuräumen, welche noch immer vereinzelte Zimmer des Hauses belagerten.
Und als er das eine Weile gemacht hatte, begann er langsam das Frühstück vorzubereiten. Er warf einen Blick in den Kühlschrank und machte sich im Stillen die Notiz, am Nachmittag nach dem Unterricht einkaufen zu gehen.
Als er die Tür wieder schloss, fiel sein Blick auf den Stapel Post auf der Ablage neben ihm, und ein Lächeln glitt über seine Lippen, als er den schmalen Zettel las, welcher darauf lag.


Guten Morgen Schatz!!
Ich hab die Post für dich rein geholt!
Wünsch dir und der Kleinen einen wundervollen Morgen.
Ruf mich an!!
In Liebe Doug



*Oh, Doug ich liebe dich.*
Jack hasste es früh am Morgen die Post zu holen, dass hatte er noch nie gern gemacht. Und genau das war es, was ihm sofort an dem allein wohnen gestört hatte. Es war niemand da, der die, für ihn so verhasste Aufgabe, erledigte.
Aber jetzt war Doug da.
Jack lächelte noch immer als er sich den Briefen zuwandte und sie begann durch zu blicken. Selbst die einzelnen Rechnungen schienen seine Laune nicht zu verderben, dazu hatte der Tag einfach zu gut angefangen. Erst als er einen schmalen weißen Brief in der Hand hielt stockte er. Der Stempel des Absenders war nicht mehr sehr deutlich zu lesen, doch Jack erkannte eindeutig das Wort Anwaltskanzlei.
Mit leichten, zitternden Händen öffnete er das Kuvert und überflog die ersten Zeilen...

Sehr geehrter Mr. McPhee,

wir möchten Sie darüber in Kenntnis setzten, dass Mr. Russell Whitman , Mandant unser Kanzlei, das Sorgenrecht für seine 11 Monate junge Tochter Amy Lindley fordert, welche wegen dem frühzeitigen Tod ihrer Mutter nun bei Ihnen lebt.

Mit diesem Schreiben fordern wir Sie auf, den Gerichtstermin am...
Jack stoppte, er ließ sich rücklings auf den Stuhl fallen und senkte das Papier in seinen Händen.
Das konnte nicht sein, dieser Kerl konnte ihm nicht Amy wegnehmen.

Geschockt schloss er die Augen, als wäre alles, wenn er die Augen wieder öffnete in Ordnung, alles wäre okay...

~*~

Doug war eigentlich dagegen gewesen, Pacey bei einer seiner 'Sachen', wie er es so gern nannte, zu helfen. Aber irgendwie war er doch hier gelandet und half seinem 'Lieblingsbruder', dieses Wort sprühte nur so vor Sarkasmus, beim reintragen der Waren. Eigentlich sollte er in diesem Moment seinen beruflichen Pflichten nachkommen und Streife durch die Stadt fahren, oder Mrs. Wilson beim einkaufen helfen, aber stattdessen hatte er sich breit quatschen lassen und schleppte sich jetzt hier ab.
„Gott, Brüderchen. Hast du nicht Personal für so was?“ Doug stellte eine Kiste Wein ab und sah Pacey wütend an.
„Ja, aber die müsste ich dafür alle bezahlen.“ Lächelte er zurück.
Doug wandte sich wieder ab und holte eine neue Kiste. „Und was ist mit deinen Freunden: Können dir die nicht helfen?“
„Alle beschäftigt. Und Dougie, wozu hat man denn Familie?“
„Wir sind höchstens mal zu Weihnachten und Ostern eine Familie....“ Er wandte sich erneut ab und genau in dem Moment, in dem er eine Packung Gemüse hochheben wollte, klingelte sein Handy.
Doug kramte dieses aus seiner Tasche und blickte auf das Display, wo in kleinen digitalen Buchstaben das Wort 'Home' aufleuchtete.
Lächelnd nahm er ab und begann sofort zu reden. „Jack.. Schatz du bist meine Rettung. Mein irrer Bruder zwingt mich im Moment gerade dazu seine Belieferung reinzutragen, also erzähl mir irgendwas, damit es so aussieht als wäre ich beschäftigt und müsste schnellstens hier weg...“
„Doug!“ Jacks Tonlage ließ Doug sofort stocken. Er klang geschockt und leicht nervös, voller Sorge.
„Geht es dir gut, du klingst so komisch. Ist was mit Amy?“
„Doug ich hab heut einen Brief von einer Anwaltskanzlei bekommen!“ meinte Jack nur tonlos.
„Jack erzähl mir was los ist.“
„Dieser Kerl, Jens Ex....“
„Amys Vater?“ hakte Doug nach.
„Ja genau.... Er fechtet das Sorgerecht an. Doug er will uns Amy wegnehmen!" Jack klang verzweifelt. Doug wusste, dass Amy für ihn mit alles bedeutete. Es war seine einzige Verbindung, die er noch zu Jen hatte.
„Hey Jack... es wird alles wieder gut. Komm, wir schaffen das. Dieser Kerl bekommt Amy nicht!“
„Und was wenn doch? Doug ich könnte sie nicht hergeben, dass würde ich nicht schaffen. Ich will sie nicht auch noch verlieren.“
„Daran darfst du nicht mal denken. Hör zu... ich geh ins Department und hör mich da ml um, vielleicht finde ich irgendwas über den Kerl.“
„Okay.... Doug, es tut mir leid, ich bin bloß...“
„Das ist okay. Ich versteh dich Jack!“
„Danke... Der Gerichtstermin ist nächste Woche!“
„Oh, okay, also ich fahr gleich los und ruf dich dann an, sobald ich was gefunden habe. Wir schaffen das Jack, den Kerl geben wir Amy nicht so leicht.“
„Okay. Bye. Ruf mich an.“
„Mach ich. Bye.“

Jack legte auf und Doug lauschte noch einen Moment dem leisen Piepen, bevor auch er das Handy wieder wegsteckte. Dann drehte er sich um und entdeckte Pacey hinter sich, der ihn ernst ansah.
„Was ist los?“ fragte Pacey leise, offensichtlich hatte er einen Teil des Gesprächs mitgehört.
„Das geht dich nichts an. Hör zu ich muss....“
„Was? Du musst los? Nicht bevor du mir das nicht erklärst!"
„Pacey, ich hab jetzt wirklich keine Zeit dafür.“

„Es geht um Amy und da geht es mich genauso etwas an, wie Jack und dich.“
Doug überlegte kurz und nickte dann unmerklich.
„Amys Vater will uns das Sorgerecht entziehen. Jack hat heute eine gerichtliche Vorladung bekommen.“
„Aber das kann er doch nicht machen!“
„Anscheinend doch.“
„Und glaubst du, dass der Kerl damit durchkommt?“
„Ich hoffe nicht. Aber ich muss echt los. Ich will in seiner Akte nachsehen, ob ich irgendetwas Belastendes finde. Schaffst du den Rest hier noch allein?“
„Ja klar, geh ruhig.“
Doug schnappte sich seine Jacke und verschwand während Pacey ruhig stehen blieb und nachdachte...

~*~

Jack saß noch immer in der Küche als Amy in ihrem Zimmer langsam wach wurde und das Babyfon ihn zurück in die Realität holte. Wie in Trance stand er auf und ging zu ihrem Zimmer. Als er die Tür öffnete stand Amy bereits in ihrem Bett und schenkte ihm in dem Moment ein Lächeln als sein Blick ihre Augen traf. Jens Augen.
Gott, jedes Mal wenn Jack, Amy ansah, sah er in ihr Jen, sie waren sich so ähnlich. Er wollte nicht glauben, dass er diese Momente vielleicht bald nicht mehr haben würde.
Langsam ging er auf Amy zu und in diesem Moment gingen Jack, Jens Worte durch den Kopf.
Er hatte zusammen mit ihr und Amy im Krankenhaus gesessen.
„Jack, ich möchte, dass du Amy erziehst...“ Er konnte noch genau dieses Gefühl in sich spüren als ihm die Worte erst richtig bewusst wurden und er konnte sich noch genau an Jens Gesichtsausdruck erinnern. Dieser hoffnungsvolle Blick, den sie ihm zugeworfen hatte.
Genau, es war Jens Wille gewesen, das Amy bei ihm bleibt, bei ihm und Doug und jetzt waren sie Amys Familie und niemand würde ihm das zerstören.
Jack nahm Amy aus dem Bett und lächelte sie an.
„Na meine Kleine? Hast du gut geschlafen?“ Er setzte sie auf dem Wickeltisch und zog ihr den Schlafanzug aus. Amys Blick schweifte durch das Zimmer und dann blickte sie kurz auf Jack und wieder zurück auf ein Bild von Jen, welches neben ihr an der Wand hing. Vorsichtig deutete sie darauf und lächelte.
„Mummy“, sagte sie leise und Jack lächelte, als auch er auf das Bild schaute.
„Genau, dass ist deine Mummy.“
Jack erinnerte sich nur zu genau an den Sommer als dieses Bild geschossen wurde. Jen, Dawson, Andie und er hatten den ganzen Sommer über verbracht und als Dawson seine neue Liebe zur Fotografie entdeckt hatte, machte er ständig Fotos von ihnen allen.
Jen trug auf dem Bild ein weißes Top und eine riesigen Strohhut, den Jack ihr erst kurz davor geschenkt hatte. Sie lächelte leicht, verträumt, genau so wie sie war. Sie wirkte darauf so lebendig...
Jack wurde aus seinen Gedanken gerissen als es an der Tür läutete. Schnell zog er Amy noch einen Pullover über, nahm sie auf den Arm und ging zur Tür.
„Moment.“
Leicht zögernd öffnete er die Tür, den Gedanken das womöglich dieser Russell vor davor stehen könnte, verwarf er so schnell wieder, wie er aufgetaucht war.
Als Jack die Tür öffnete, lächelte ihn Pacey freundlich an.
„Was machst du denn hier?“ fragte er überrascht.
„Dich besuchen. Darf ich rein kommen?“ Ohne auf eine Antwort zu warten, betrat Pacey das Haus. Jack schloss die Tür und drehte sich zu ihm um.
„Ich nehme mal an, Doug hat es dir erzählt.“
„Da Doug gerade in dem Moment bei mir war, als er es selbst erfahren hat, liegst du da wohl richtig.“ Er wandte sich an Amy und lächelte sie freundlich an. „Hey klein Lindley, na wie geht’s dir denn?“ Pacey nahm Jack Amy aus dem Arm und lächelte sie erneut verspielt an.

„Willst einen Kaffe?“ Jack ging, gefolgt von Pacey in die Küche.
„Nein danke, ich will gleich wieder los.“ Pacey begann mit Amy zu spielen, die lauthals lachte als er sie immer wieder von neuem durchkitzelte. Dann blickte er sie naiv kindlich an. „Hey Amy... sagst du schon Pacey?? Sag doch mal Pacey!“
Amy schüttelte energisch den Kopf.
„Wie wär’s mit Pace?“ fragte er erneut, doch Amy schüttelte wieder nur mit dem Kopf.
„Gott sie ist Jen so ähnlich.“
Jack nickte.
„Ich weiß, das stell ich jedes Mal wieder fest, wenn ich sie ansehe.“
„Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie Jen früher war, als sie hierher kam.
Die hat sich bei Partys immer betrunken, um über ihre Probleme hinweg zu kommen...“
Jack lächelte Pacey an. "Solltest du in Gegenwart von Amy, und sollte sie das alles verstehen, irgendwann noch mal ein Wort verlieren, dann bring ich dich um!“
Sie lächelte, beide wussten nur zu gut wie Jen früher war.
„Ja, aber ich hätte damals nie gedacht, dass Jen jemals etwas so wundervolles vollbringen würde. Amy ist wie ein Engel. Für uns alle.“
Wieder nickte Jack.
„Ähm Jack, weswegen ich hier bin, Wie heißt dieser Kerl? Jens Ex?“
„Wieso willst du das wissen?“ fragte Jack stutzig.
„Nur so.“
„Pacey ich kenne dich. Was hast du vor?“
„Nichts. Sag mir einfach wie er heißt.“
„Pacey, bitte tu nichts, was uns in dem Prozess schaden könnte. Okay? Das wird alles so schon schwer genug werden!“ meinte Jack.
„Hey, ich will wirklich nur mit dem Kerl reden. Vielleicht kann man ihn ja zur Vernunft bringen. Also sagst du mir bitte seinen Namen?“
Im Inneren sträubte Jack sich davor, er wusste einfach, dass Pacey nicht gerade der Typ war, der nur still redete. Aber wieso sollte man es nicht versuchen?
„Russell Whitman.“
„Danke.“ Pacey gab Amy einen leichten Kuss auf die Stirn und überreichte sie dann wieder Jack.
„Bring ihr meinen Namen bei“, scherzte er noch bevor er in Richtung Tür ging.
„Pacey... bitte mach nichts Falsches.“
Pacey blieb stehen und lächelte. „Ich doch nicht.“ Er verließ das Haus und Jack sah ihm nur unruhig hinterher, bevor er sich wieder an Amy wandte.
„Ich hoffe er beherrscht sich“, meinte er leise.
Amy blickte noch immer Richtung Tür und strahlte dann Jack an.
„Pace....“, sagte sie nur leise und Jack lächelte.

~*~

Pacey stoppte seinen Wagen vor dem billigen Motel, abseits der Stadt. Er war direkt von Jack aus hierher gefahren, weil er sich nicht vorstellen konnte, dass dieser Russell in einem der feineren Hotels Capesides wohnte.
Er stieg aus und ging zur Rezeption, wo man ihm verriet, dass Mr. Whitman in Zimmer Nummer neun war. Mit langsamen Schritten ging er zu dem Zimmer und klopfte.
„Zimmerservice“, trällerte er in belustigten Ton. Er hörte ein Rascheln und Knarren, bevor die Tür geöffnet wurde und ihm stickige, verrauchte Luft in die Nase stieg.
Der Mann, blickte Pacey starr von oben bis unten an, bevor sein eisiger Blick wieder seine Augen traf.
„Sie sind nicht der Zimmerservice. Wer zum Teufel sind Sie?“
„Ich will mit Ihnen über Ihre Tochter reden.“
„Was geht Sie denn meine Tochter an? Sind Sie etwa einer von den Tunten?“ Er lächelte belustigt.
Pacey dagegen atmete beruhigend durch, dieser Mann war ihm von Anfang an unsympathisch gewesen.
„Sie sollten die Klage fallen lassen!"
„Vergessen Sie’s.“ Er wollte die Tür zuschlagen, doch Pacey hielt ihn auf.
„Wieso machen Sie das? Sie wollten doch erst auch nichts von Amy wissen, wieso jetzt?“
„Sie ist meine Tochter?“ bestärkte er.
„Sie ist mehr Jacks Tochter als sie es Ihre je sein wird. Sie sind nichts weiter als der billige Erzeuger.“
„Verschwinden Sie von hier!“
„Nicht bevor Sie die Klage fallen lassen!“
„Hören Sie zu, Mister. Amy ist meine Tochter. Und sie wird als meine Tochter auch bei mir aufwachsen und nicht von diesen Transen erzogen. Finden Sie sich damit ab!“
„Damit kommen Sie nicht durch!“ meinte Pacey stur.
„Das werden wir ja noch sehen.“ Russell schlug die Tür mit einem lauten Knall zu.

~*~


Evelin Ryan saß im Zug Richtung Boston und blickte in Gedanken versunken zum Fenster hinaus. Dabei nahm sie kaum die vorbeiziehenden Orte und Landschaften wahr. Es war als sähe sie dort in dem Fenster Jennifer, die sie aus traurigen Augen ansah. Evelin wusste, dass Jen vor Wut rasen würde, wenn sie noch lebte. Wut auf den Mann, der sie vor mehr als achtzehn Monaten im Stich gelassen hatte, gleich nachdem Jen ihm damals von der Schwangerschaft erzählt hatte. Und das war auch gut so, wie Evelin im Nachhinein dachte.
Russell war alles andere als der Mann, den sich eine kluge und zudem hübsche junge Frau wie Jen als Vater ihrer Kinder ausgesucht hätte. Sicher, sie war fasziniert von ihm gewesen und sie hätte auch sicherlich um Amys Willen die Beziehung zumindest auf freundschaftlicher Basis aufrechterhalten, aber Grams wusste auch, dass Jen für Russell nicht genug empfunden hatte, um den Bund des Lebens mit ihm einzugehen. *Zum Glück!*, dachte Grams.
Nach allem, was Jen ihr nach der Trennung von ihm erzählt hätte, war Russell bereits mehrfach vorbestraft und saß einige Monate wegen diverse Delikte, auf die Jen nicht hatte näher eingehen wollen, im Staatsgefängnis von Massachusetts. Sie musste ihn kurz nach seiner Entlassung kennen gelernt haben.
Vielleicht – wäre Jen zu dieser Zeit nicht so einsam in New York gewesen – hätte sie sich gar nicht auf Russell eingelassen. Doch nachdem Jack zurück nach Capeside gegangen war, um dort eine Lehrstelle an der Capeside High anzunehmen, war ihr ja außer Grams niemand geblieben. Und Evelin war sich der Tatsache bewusst, dass sie – obgleich ihr Verhältnis ausgesprochen gut war – nicht Jens Freundin sein und Jack somit ersetzen konnte. Sie war ihre Großmutter gewesen und ein Mutterersatz. Eine Freundin konnte sie demnach nicht auch noch für eine junge Frau wie Jen sein. Zudem waren ihre Ansichten nach wie vor so verschieden gewesen, dass sie gewissen Gesprächen grundsätzlich aus dem Wege gegangen waren.
Auch nachdem Jennifer von ihrer schrecklichen Krankheit erfahren hatte, hatte sie sich geweigert zu Gott zu beten und um Kraft zu bitten, die sie zu dieser Zeit so dringend benötigt hatte. Und so hatte Evelin Abend für Abend für sie und sich selbst gebetet, da es ihr ja ebenfalls schlecht ging.
Dass sie Jack nichts von der Krankheit Jens oder irgendeinem anderen ihrer Freunde hatte erzählen dürfen, war etwas, was oft zwischen ihnen zu Auseinandersetzungen geführt hatte. Schließlich hatte Jen ihr versichert, dass sie es Jack, den sie zum Patenonkel für ihr damals ungeborenes Kind gemacht hatte, erzählen würde, sobald sie sich außerstande fühlte ihre Krankheit länger zu ignorieren.
Gales Hochzeit wurde so unvermeidbar zu dem Tag, an dem es alle erfuhren. Und Jen hatte letztlich versucht das Beste daraus zu machen und mit einem Lächeln zu sterben.
Grams fühlte, wie ihr bei dem Gedanken Tränen in die Augen stiegen, doch gleichzeitig lächelte sie. Jen war mit erhobenem Haupt gestorben und hatte keinen wissen lassen, wie groß ihre Schmerzen und ihre Angst waren. Weniger hatte sie Angst vor dem Tod gehabt, als davor, was mit Amy nach ihrem Ableben geschehen würde.
Dass Jack bereit war sich ihrer Tochter anzunehmen, hatte es Jen schließlich erleichtert von dieser Welt abzulassen. Und nun... nun focht dieser Taugenichts von einem Russell Whitman das Sorgerecht an!
Grams hoffte inständig, dass Jack und Doug sich im Gerichtssaal würden behaupten können. Denn sie war sich ihres gesundheitlichen Zustandes mehr als bewusst und auch der Tatsache, dass man ihr das Kind nicht überlassen würde.
Ein heftiger Schmerz durchfuhr mit einem Mal ihren Leib und sie biss die Zähne fest zusammen, um dem Schrei nicht Luft zu machen, der sich bereits in ihrer Kehle befand.
"Alles in Ordnung, Ma'am?" Der junge Mann, der neben ihr saß, beugte sich besorgt zu ihr vor.
Sie nickte schwach und bemühte sich zu lächeln, doch es misslang ihr.
"Kann ich etwas für Sie tun?"
"Würden Sie mir wohl aus meiner Tasche", Grams zeigte nach oben, wo das Gepäck über den Sitzen verstaut war, "meine Tabletten runter reichen. Sie..." Abermals musste sie die Zähne zusammen beißen und kniff für einen Augenblick die Augen zu. "Sie sind in der linken Seitentasche."
Der junge Mann nickte und tat worum sie ihn bat. "Wie viele brauchen Sie?"
"Eine reicht erst mal", brachte Grams mühsam hervor und nahm die Tablette entgegen.
"Sie sollten etwas dazu trinken. Ich gehe Ihnen Wasser holen." Damit verschwand er auch schon in dem schmalen Gang in Fahrtrichtung und kam nur wenige Minuten später mit einem großen Glas Wasser zurück.
"Was fehlt Ihnen?", fragte er und reichte ihr das Glas.
"Ich habe Krebs im Endstadium", erklärte sie ihm und nickte zur dankbaren Anerkennung. Dann nahm sie die Tablette und spülte sie hinunter.
"Mein Großvater hatte auch Krebs. Er ist vergangenes Jahr gestorben", sagte er traurig. "Ich werde nächstes Jahr mein Medizinstudium beginnen und ich bin fest entschlossen endlich ein Heilmittel gegen Krebs zu finden."
"Das ist ein löblicher Vorsatz", sagte Grams und fügte in Gedanken hinzu: *Mir wird das zwar nicht mehr helfen, aber...* Nach einiger Zeit lächelte sie. "Danke, dass Sie so schnell reagiert haben. Es geht mir schon wieder besser."
"Gern geschehen." Damit ging die kleine Unterhaltung auch schon wieder zu ende. Und während Grams erneut in ihren Gedanken an Jen und den bevorstehenden Kampf um das Sorgerecht für Amy versank, widmete sich ihr Nebensitzer seinem Buch.

~*~

Doug saß in der ersten Reihe, praktisch direkt hinter Jack, um ihm das Gefühl zu geben, dass er nicht allein war. Neben ihm, an einem Tisch, saß Gales Mann Jason, der in diesem Fall Jacks Rechte vertrat. Er verlangte nichts dafür, was Jack und auch Doug gerade jetzt sehr recht war, da sie immer noch etwas knapp bei Kasse waren. Zwar nicht mehr so schlimm, wie noch vor einigen Wochen, aber trotzdem noch immer ein wenig.
Man konnte die Anspannung im Saal förmlich spüren und Jack lief es eiskalt den Rücken runter, als er zu dem Tisch hinüberblickte, der linkerhand stand und an dem Russell Whitman saß. Die beiden Männer sahen sich kurz an, doch dann blickte Jack weg.
Ein Blick in die Augen dieses Mannes hatte ihm genügt, um zu wissen, dass er eiskalt und berechnend war und absolut nichts von Homosexuellen hielt. Es schien sogar soweit zu gehen, dass er einen regelrechten Hass auf Jack, ob dessen Homosexualität, empfand.
Der Richter stellte die beiden Parteien und den Grund des Prozesses vor und leitete auf diese Weise die Verhandlung ein. Schließlich wurde Jason gebeten, seinen ersten sachverständigen Zeugen aufzurufen; in diesem Fall Grams.
Jason trat vor, sodass er alle Anwesenden ansehen konnte und sagte dann: "Ich rufe als erste sachverständige Zeugin Evelin Ryan auf."
Der Richter nickte im Einverständnis und die Tür zum Gerichtssaal ging auf. Mit wackligen Knien, jedoch so gefasst wie es ihr möglich war, trat Grams ganz nach vorne und nahm den Zeugenstand ein.
Ein Gerichtsdiener kam mit der Bibel auf sie zu und sprach: "Legen Sie bitte die Hand auf das Buch und sprechen Sie mir nach: Ich verspreche die Wahrheit zu sagen, und nichts als die Wahrheit, so wahr mir Gott helfe."
Natürlich tat Grams wie ihr geheißen, dann nahm sie platz und sah von Jack zum Richter und schließlich zu Gales Ehemann Jason, der Jacks Rechte vertrat.
"Würden Sie sich dem Gericht bitte vorstellen und allen hier Anwesenden erklären, weshalb Sie gegen eine Änderung des Sorgerechts im Fall Amy Lindley sind."
"Selbstverständlich", begann Grams und wandte sich nun vor allem an den Richter und die wenigen Geschworenen und Anwesenden. "Ich bin Amys Urgroßmutter. Und meine Enkelin Jennifer, Amys Mutter, hat bis zu ihrem Tod bei mir gelebt..."
Grams beantwortete eine Frage nach der anderen. Sowohl die von Jason gestellten, wie auch die von der Gegenpartei. Fragen wie: Welches Verhältnis hatte Jennifer zu Jack und zu Russell? Was wissen Sie über Russell? Hatte sich Ihre Enkelin je negativ über den Kindsvater geäußert oder positiv, nachdem er sie verlassen hatte? Warum hatte Russell Ihre Enkelin verlassen? – Diese und viele Fragen mehr, musste Grams über sich ergehen lassen, bis sie den Zeugenstand verlassen durfte und Jack selbst gebeten wurde vorzutreten.
Von Russells Seite kam ein Freund, der sich für ihn einsetzte und sich dafür aussprach, dass Russell das Sorgerecht für sein Kind bekommen sollte.
Und schließlich wurde Doug aufgerufen, der nach der einstündigen Verhandlungspause, vollkommen nervös vor dem Verhandlungssaal saß. Im Grunde rechnete er sich für Jack und sich selbst sehr gute Chancen aus, besonders aufgrund der Informationen, die er dem Gericht nun bald vorlegen würde. Doch auch deshalb, weil Russell absolut keinen triftigen Grund vorlegen konnte, das Sorgerecht einzuklagen. Jack war jedoch ohnehin sehr labil in letzter Zeit, sodass er nur schwarz sah. Zumindest hatte Doug während des Mittagessens, das sie zusammen mit Grams eingenommen hatten, das Gefühl gehabt, als rechne sich Jack keine guten Chancen aus, Amy behalten zu dürfen.
"Mr. Witter", begann der Anwalt der Gegenpartei, "welches Verhältnis haben Sie zu Mr. McPhee?"
Doug zögerte eine Sekunde, sagte dann jedoch, mit einem zärtlichem Blick zu Jack: "Ich bin sein Lebensgefährte."
"Sie sind demnach also auch homosexuell?"
"Das ist richtig", entgegnete Doug ruhig.
"Demnach lieben Sie Ihren Lebengefährten und würden alles für ihn tun, nicht wahr?"
"Solange es innerhalb der gesetzlichen Grenzen ist; selbstverständlich." Doug sah den Anwalt musternd an. Worauf wollte er mit diesen unwichtigen Fragen hinaus?
"Würden Sie für ihn auch grundlos Nachforschungen anstellen, für die Sie Ihren Beruf ausnutzen müssten, die jedoch nicht offiziell zugelassen sind?"
"Einspruch, Euer Ehren", rief Jason. "Diese Frage ist absolut sachundienlich."
"Stattgegeben", stimmte ihm der Vorsitzende zu.
"Okay, dann anders gefragt: Wie weit würden Sie gehen, um Ihrem Lebensgefährten bei dieser Sorgerechtsfrage zu helfen?"
"Wie ich bereits sagte. Innerhalb gesetzlicher Grenzen, soweit es mir möglich ist."
"Lieben Sie die kleine Amy?"
"Wir sind zwar erst dabei uns kennen zu lernen, da ich kein übermäßig enges Verhältnis zu ihrer Mutter hatte kannte ich sie bis vor wenigen Wochen kaum, aber ja, ich beginne eine tiefe Zuneigung zu dem Mädchen zu empfinden."
Doug lächelte und Jack erwiderte es, wusste er doch von der Mühe, die Doug sich gab, in die Rolle des Vaters zu wachsen.
"Glauben Sie nicht, dass ihr Vater sie ebenfalls liebt? Schon allein deshalb, weil er ihr Vater ist."
"Bei allem Respekt", sagte Doug und sah zuerst den Anwalt und dann den Richter an, "die Tatsache, dass er Amys Erzeuger ist, macht ihn nicht zum Vater. Er hat die Kindsmutter noch während der ersten Schwangerschaftsmonate im Stich gelassen, aus Gründen, die mir unbegreiflich sind, da ich mich einer solchen Verantwortung niemals zu entziehen versuchen würde, und fordert nun, wo das Kind bereits fast ein Jahr alt ist, das Sorgerecht. Ich bezweifle nicht, dass er das Kind liebt. Und dies ist sicherlich schön und auch gut für das Kind, jedoch macht ihn diese väterliche Liebe nicht automatisch zum verantwortungsbewussten Erziehungsberechtigten. Ein Kind braucht einen sicheren Halt in dieser Welt, eine gesicherte Zukunft, eine starke Hand. Und jemand, der sich zurückzieht, noch ehe er weiß, welches Geschlecht sein Kind haben wird und die Mutter noch nicht einmal finanziell unterstützt, hat meiner Ansicht nach kein Recht auf die Erziehungsberechtigung eines noch so schutz- und liebebedürftigen Kindes."
"Wie kommen Sie darauf, dass Mr. Whitman keinen Unterhalt gezahlt hat?"
"Ich weiß dies von Ms. Lindley selbst. Sie hatte es mir erzählt, als wir einmal miteinander telefoniert hatten. Zudem würden es die Kontoauszüge der Kindsmutter im Nachhinein beweisen."
"Haben Sie die Kontoauszüge?", erkundigte sich der Richter und sah von seinem Platz zu Doug hinunter.
"Hier sind sie, Euer Ehren", wandte sich nun wieder Jason an den Richter, stand auf und reichte ihm einen kleinen Hefter, in dem sämtliche Kontoauszüge zu finden waren, die Jennifer in den vergangenen zwanzig Monaten hatte ausdrucken lassen.
In diesem Moment war Grams froh, dass sie Jennifer zu dieser Ordnung ihrer Akten angehalten hatte. Sie hatte ihr immer wieder gesagt: 'Man weiß nie, wozu du sie mal brauchst. Und sie ein paar Jahre zu sammeln tut nicht weh und kostet keine Mühe.' Jen hatte klein bei gegeben und die Kontoauszüge zu all ihren 'wichtigen' Unterlagen getan.
Der Richter sah sich einige Minuten lang die Kontoauszüge an und nickte dann bestätigend. "Es wurde nicht eine einzige Unterhaltszahlung getätigt, genau wie Mr. Witter gesagt hat."
Zufrieden nahm Jason wieder neben seinem Mandanten platz.
"Keine weiteren Fragen", kam es nach einiger Zeit des Nachdenkens vom Anwalt der Gegenseite und Doug wollte bereits aufstehen, doch da erhob sich Jason auch schon und ging hinüber zu ihm.
"Dann möchte ich mit der Befragung fortfahren."
"Einverstanden", ließ sich der Richter vernehmen.
"Mr. Witter, ist es richtig, dass Sie seit bereits zwei Jahre der amtierende Sheriff der Stadt Capeside sind, in der Sie zusammen mit Mr. McPhee und dessen Tochter leben?"
"Ja, das ist richtig."
"Und ist es auch richtig, dass Sie aufgrund verschiedener Hinweise diverser Quellen wie Mrs. Ryan, McPhee und auch aufgrund alter Andeutungen Ms. Lindleys selbst, kleinere Nachforschungen in Bezug auf Russell Whitmans Vergangenheit angestellt haben?"
"Ja, das ist korrekt."
"Was hat Sie dazu bewogen?"
"Ich wollte sicher sein, dass der Mann, der imstande ist, Mr. McPhee das Sorgerecht für seine Tochter zu nehmen frei von Vorstrafen ist."
"Sie taten dies also zum Schutz des Kindes und nicht etwa, um belastendes Material ausfindig zu machen?"
"Das war der Grundgedanke, ja. Und es verstößt nicht gegen das Gesetzt, wenn ich mich ein wenig in der hiesigen Datenbank umsehe."
"Und möchten Sie dem Gericht auch vortragen, was Sie gefunden haben."
"Einspruch, Euer Ehren!", rief Whitmans Anwalt. "Dies ist eine zivilrechtliche Verhandlung und..."
"Ich möchte gerne wissen, was Sheriff Witter zu sagen hat", unterbrach ihn der Richter, nachdem er kurz mit dem Holzhammer die gesamte Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte. "Bitte fahren Sie fort, Mr. Witter."
Doug nickte anerkennend und auch dankbar, denn nun konnte er seinen Trumpf ausspielen. "Mr. Whitman wurde vor etwas mehr als zweieinhalb Jahren wegen Drogenbesitzes und Körperverletzung in zwei Fällen verhaftet und für zehn Monate inhaftiert."
"Vielen Dank, Mr. Witter", sagte Jason. "Ich möchte nun den Kläger selbst zur Befragung aufrufen."
"Stattgegeben", stimmte der Richter mit einem Nicken zu und Doug verließ, mit einem flüchtigen Blick auf die kleine Jury, den Zeugenstand.
Er hatte gehofft etwas in deren Mienen zu erkennen, doch er fand dort weder Zuspruch noch Ablehnung. Diese Menschen waren gut in dem was sie taten. Gefühle und persönliche Meinung verbergen, aufmerksam zuhören, die Spreu vom Weizen trennen, und vor allem mussten sie frei von Vorurteilen sein.

~*~

Russell Whitman legte seinen Eid ab und nahm im Zeugenstand platz, wie seine Vorgänger auch und Jason begann die Befragung. Zuerst fragte er nach dem Verhältnis, das der Kläger zu Jen gehabt hatte und dann wollte er wissen, weshalb er die Mutter seiner Tochter noch während der Schwangerschaft im Stich gelassen hatte. Russell blieb bei jeder Frage ruhig, wirkte zu keiner Zeit nervös. Ganz im Gegenteil, er schien sehr selbstsicher. Und Jason kannte diese Art von Mandant nur zu gut. Diese Sicherheit, in der sich der Kläger trotz aller 'Beweise', die gegen ihn sprachen, wog, würde ihm das Genick brechen.
"Sie haben also 'kalte Füße' bekommen?", wiederholte Jason die zuletzt gemachte Aussage und atmete tief durch. Dann sah er den Kläger durchdringend an. "Und was macht Sie so sicher, dass Sie nicht wieder 'kalte Füße' bekommen und das Kind im Stich lassen, so wie zuvor seine Mutter?"
Immer noch schien sich Russell seiner Situation nicht bewusst, der Sackgasse in der er sich schon seit der ersten Aussage dieser Verhandlung befand.
"Ich weiß es, weil ich sie liebe."
"Das ist schön und gut, aber wie können Sie sich wirklich sicher sein? Wissen Sie welche Verantwortung so ein Kind mit sich bringt? Wie viel Geld ein Kind kostet und wie viel Aufmerksamkeit und liebevolle Zuwendung es braucht? Es ist in diesem Alter vollkommen auf Sie angewiesen."
"Ich kann jedenfalls besser für Amy sorgen, als diese Schwuchteln!", schrie Russell plötzlich, stand auf und zeigte auf Jack und Doug. "Was könnten die meinem Kind beibringen, außer wie man die Menschheit ausrottet und Seuchen wie AIDS verbreitet!"
Russells Anwalt schlug die Hände über dem Kopf zusammen. Doug, Jack und sogar Grams standen neben einiger anderer auf und protestierten gegen die unnötigen verbalen Angriffe und Beleidigungen, sodass plötzlich der ganze Raum von Lärm erfüllt schien, indem anfänglich sogar das Holz hämmern des Richters unterging.
"Die versauen mein Kind!", rief Russell vom Zeugenstand aus in die tobende Menge.
"Und durch Sie lernt sie wie man sich durchschlägt und im Drogenmilieu untergeht!", wehrte sich Jack aufs heftigste. "Was könnten Sie ihr schon beibringen oder bieten! Sie hätten bleiben sollen, wo Sie waren! Jen würde nicht wollen, dass einer wie Sie ihr Kind (v)erzieht!"
"Ruhe! Ich bitte um Ruhe RUHE!", brüllte der Richter aus Leibeskräften und zerbrach fast den Hammer, so sehr schlug er zu, um endlich wieder Ordnung in das Chaos aus Stimmen zu bringen. Die einzigen, die sich ruhig verhielten und alles schweigend mit ansahen, waren die Geschworenen und die Anwälte.
"Die Sitzung wird auf morgenfrüh vertagt!", sagte der Richter mit eiserner Stimme, als man ihm endlich wieder Gehör schenkte. "Und morgen wird dann entschieden, wer künftig das Sorgerecht für Amy Lindley hat."
"Was zum Teufel sollte das, Jack?" Jason sah ihn und auch Doug vorwurfsvoll an. "Wenn er", er nickte in Richtung Russell, "die Fassung verliert, ist das gut für uns. Wenn einer von uns das tut, dann ist das verdammt schlecht! Ihr müsst verantwortungsbewusst auftreten und nicht wie ein Haufen hirnloser Idioten, die sich von derart haltlosen Angriffen anstacheln lassen. Ist das klar!?"
Jack und Doug nickten reuevoll, versuchten noch nicht einmal sich zu verteidigen, ebenso wenig Grams, der die Standpauke des Anwalts ebenso galt. Russell jedoch hatte sich noch immer nicht gefasst und schrie nun seinen Anwalt an, dessen Einsatz er für lächerlich schwach erklärte. Es drangen noch einige Beleidigungen zu den Vieren hinüber, als sie Seite an Seite den Saal verließen.

~*~

"Hey Dawson, ich bin's. Jack."
"Hi Mann, wie läuft es?" Dawson wusste bereits von der Sorgerechtsklage. Gale hatte es ihm vor einigen Tagen erzählt.
Jack lehnte sich in dem kleinen Sessel zurück, der neben dem Telefontisch in dem Hotelzimmer stand. "Jason und auch Doug sind guter Hoffnung, aber ich bin mir ehrlich gesagt ziemlich unsicher."
"Vielleicht bist du so verunsichert, weil du am meisten zu verlieren hast. Du bist nun Amys Vater und du hast Jen in so vielen Stunden beigestanden, in der sonst ein Ehemann einer Frau beisteht. Du hast ihr versprochen auf ihre Tochter aufzupassen und nun versucht jemand dir das Kind wegzunehmen, das du zu Recht als deine Tochter bezeichnest." Dawson machte eine kleine Pause und fuhr dann fort, als von Jack nichts weiter als Atmen zu hören war. "Ich weiß, dass ich von Kindern keine Ahnung habe oder von dem was in letzter Zeit so in Capeside los ist, aber ich möchte dass du weißt, dass ich deine Angst verstehe. Und Angst zu haben ist nichts Negatives. Im Gegenteil. Angst macht dich vorsichtig."
"Ich habe gestern die Fassung im Gerichtssaal verloren, als mich dieser Typ mit Schwuchtel tituliert hat", sagte Jack schließlich kleinlaut. "Und ich weiß nicht inwiefern sich das negativ auf den ganzen Prozess und die Entscheidung des Richters und der Jury auswirken wird, Dawson. Ich habe furchtbare Angst davor gestern alles ruiniert zu haben, wofür Jason mit uns kämpft."
"Hm...", war zunächst alles, was von Dawson kam. Dann meinte er: "Sicherlich war das nicht sehr weise. Aber ich weiß aus Erfahrung, dass solche kleinen Ausbrüche meist auf den immensen Stress geschoben werden, die mit solchen Situationen einhergeht. Sicherlich wird Jason das so oder so ähnlich auch der Jury und dem Richter vortragen, wenn er sich für gestern entschuldigen wird. Und das wird er vermutlich, damit du wieder besser dastehst."
"Du denkst also, dass ich es verbockt habe, nicht wahr?"
"Nein, Jack, das habe ich nicht gesagt." Neuerlich machte Dawson eine Pause und atmete hörbar tief durch. "Ich bin sicher, dass alles gut gehen wird. Jason ist ein guter Anwalt. Er hat bisher nur knapp fünf von hundert Fällen verloren. Er wird es schaffen, dass du das Sorgerecht nicht abgeben musst, du wirst schon sehen."
Die Hoffnung, die in Dawsons Stimme schwang, hob Jacks Stimmung. Zwar nur geringfügig, aber er fühlte sich nun wirklich besser. "Danke Mann. Ich wusste, dass es gut sein würde mit dir zu telefonieren."
Dawson konnte heraushören, dass Jack nun wieder imstande war zu lächeln. "Immer wieder gerne. Dafür sind Freunde doch da."
Kurze Zeit herrschte Schweigen, dann fragte Jack: "Wann bist du denn mal wieder in der Gegend?"
"Ich denke, dass ich es zu Weihnachten schaffen werde. Allerdings vermutlich nicht am Heiligen Abend, sondern erst tags drauf."
"Das klingt doch wunderbar. Ich freue mich schon darauf."
"Ich mich auch", sagte Dawson. "Dann zeigen wir der kleinen Amy, was ein Weihnachtsfest in Capeside ist, okay?"
"In Ordnung", erwiderte Jack und fühlte plötzlich Tränen aufkommen, die er jedoch schnell zurückdrang, als Doug das Zimmer betrat. "Bis bald, Dawson."
"Bis bald."
Dann legten die beiden Männer auf und Jack stand von dem Sessel auf. Doug legte seine Jacke ab und reichte Jack eine Papiertüte und einen Plastikbecher.
Doug war bereits fort gewesen, als Jack an diesem Morgen aufgewacht war. "Wie hast du geschlafen?"
"Es geht so", sagte Jack ehrlich.
"Das Frühstück wird dir gut tun", lächelte Doug.
"Ich habe keinen Appetit."
"Du musst etwas essen, Jack. Wenn du nachher einen Schwächeanfall bekommst, ist das sicherlich nicht sehr förderlich. Iss wenigstens einen Donut und trink den Kaffee. Der macht Tote wieder munter." Ein kleines Lächeln legte sich auf Dougs Lippen und Jack erwiderte es nach einigen langen Sekunden.
"Schön, einen Donut werde ich runter bekommen."
Doug nickte und ging wieder in Richtung Tür. "Ich gehe kurz zu Grams."
"In Ordnung", erwiderte Jack und sah zu wie Doug das Zimmer verließ.

Kaum, dass er allein war, ging Jack mitsamt dem Becher und dem Donut zurück zu dem kleinen Sessel und nahm den Telefonhörer ab. Hastig tippte er Gales Nummer ein und kurz nach dem ersten Klingelzeichen, nahm sie auch schon den Hörer ab.
"Leery", meldete sie sich noch genau wie zu der Zeit als Mitch noch gelebt hatte. Jason hatte es verstanden, dass sie aufgrund ihrer Trauer und auch wegen des Fischrestaurants nicht bereit war den Namen abzulegen.
"Hi Gale. Wie geht es euch?" fragte Jack, ohne sich vorzustellen.
"Amy geht es gut." Er konnte ein Lächeln aus Gales Stimme heraushören. "Wie geht der Prozess voran?"
"Hat Jason dich nicht längst angerufen und dir alles erzählt?", erkundigte sich Jack ein wenig verwundert.
"Doch das hat er", gestand sie. "Wie geht es dir?"
"Dein Sohn weiß wie man jemanden aufmuntert", sagte Jack und lächelte. Dann nippte er an seinem Kaffee und fuhr fort: "Ich habe vorhin mit ihm gesprochen und ihm von gestern erzählt."
"Das wird vor Gericht nicht weiter ins Gewicht fallen, Jack. Nicht bei der Vergangenheit, die dieser Whitman hat und nicht nachdem verbalen Angriff, den er ja wohl gestartet hat."
"Offenbar hat Dawson diese Gabe von dir, Gale", grinste Jack in den Hörer. "Ich weiß nicht, wie ich das alles ohne euch durchstehen würde."
Lange Zeit herrschte absolute Stille, dann hörte Jack im Hintergrund plötzlich eine Stimme, die sofort ein Lächeln auf seine Lippen zauberte.
"Ist das Amy?", fragte er.
"Ja. Soll ich sie mal an den Hörer holen?"
"Gerne", erwiderte Jack und sein Lächeln wurde noch größer.
Plötzlich hörte er, neben dem Geräusch von Griffen und Kratzern, die wie ein entferntes Krachen klangen, Gale, die sagte: "Daddy ist am Telefon."
"Zack", johlte die Kleine in den Hörer. "Dadda – Zack."
"Hey mein Liebling. Geht es dir gut? Ist es schön bei Tante Gale und Lilly?"
Als Antwort erhielt er ein fröhliches Kinderlachen und allein ihre süße Stimme zu hören, trieb ihm Tränen in die Augen. "Ich bin bald wieder bei dir, mein Engel. Ich liebe dich."
"Auch...", sagte sie und dann übernahm Gale wieder den Hörer.
"Jack, sie spricht schon sehr schön", lobte sie. "Du hättest eben ihr Gesicht sehen sollen, als sie deine Stimme gehört hat. Es war als begannen nicht nur ihre Augen, sondern ihr ganzes Gesicht zu strahlen. Kein Gericht der Welt wird euch beide auseinanderreißen, glaub mir das."
"Danke", krächzte er nur am anderen Ende und es kostete ihn sehr viel, die Tränen zurückzudrängen. "Bis bald, Gale. Gib ihr einen Kuss von mir, ja?"
"Ja, das werde ich. Bis bald, Jack."

~*~

Der restliche Vormittag im Gerichtssaal verlief wesentlich ruhiger als am Vortag, obgleich alle Anwesenden sehr angespannt waren. Immer wieder war Jacks Blick hinüber zu Russell gewandert, den nun auch etwas Nervosität zeigte und an den Fingernägeln knabberte. Jack tat nichts der gleichen. Ließ sich nicht anmerken, wie schnell sein Herz raste.
Es gab noch einige weitere Fragen, vor allem an Jack und Russell, die sie beide ohne Ausartungen beantworteten. Und als Russell plötzlich von Paceys Auftauchen bei ihm erzählte, wurde Jack ganz schwarz vor Augen. Er sah sich schon damit konfrontiert, dass er Amy deshalb verlieren würde und verfluchte die ungestüme Art seines Freundes. Doch zu seinem und auch Amys Glück hatte Pacey wirklich nur versucht mit Russell zu reden. Es hatte keine tätlichen Angriffe gegeben und deshalb schien der Richter diesen kurzen Besuch nicht auf die Goldwaage zu legen.
Drei volle Stunden gingen die Befragungen noch und dann rief der Richter eine Pause ein, damit er sich auf die Schlussplaidoyers und die entgültige Entscheidung vorbereiten konnte, die in diesem Fall nicht allein von der Jury, sondern auch von ihm selbst mitgefällt würde.

Zu Mittag bekam Jack kaum einen Bissen runter und selbst Doug war so angespannt, dass er nur sehr wenig aß. Grams gönnte sich eine einfache Suppe. Keiner sagte ein Wort. Jeder hing seinen eigenen Gedanken nach. Und dann war die Mittagspause auch schon vorüber und das Trio ging zurück zum Gericht.

Jack konnte förmlich das Ticken seiner Armbanduhr hören, als sich Russells Anwalt nach Vortrag seines Plaidoyer setzte und Jason bereits vortrat.
"Meine Damen und Herren, Euer Ehren", begann er die förmliche Anrede. "Bevor Sie nun eine Entscheidung fällen, möchte ich Ihnen noch etwas mehr von der Beziehung erzählen, die Jack zu Jennifer Lindley hatte und die er nun zu ihrer Tochter hat. Sie alle kennen die Fakten. Sie wissen, dass Jack McPhee Amys Taufpate war und dass es Ms. Lindleys letzter Wunsch war, dass er das Mädchen zu sich nehmen sollte, um ihr eine sichere Zukunft zu geben. Sie hat ein Band aufgenommen, einzig für ihre Tochter, in der sie ihr sagt – und ich zitiere: Und zu guter letzt möchte ich, dass du weißt, dass ich immer sehr viel für deinen Vater empfunden habe, auch wenn unsere Beziehung immer rein platonisch war. Von dem Moment, an dem ich von der Schwangerschaft mit dir erfuhr, wusste ich, dass er dein Patenonkel sein sollte. Ich wusste, dass, sollte mir je etwas zustoßen, du bei ihm in guten Händen wärst. Er ist der beste, gütigste und cleverste Mensch, den ich je kennen gelernt habe. Und er liebt dich, als wärst du sein eigen Fleisch und Blut.
Also mein Liebling, wann immer du traurig bist, dass du keine Mutter hast, denke daran, dass du den besten Vater hast, den es auf der ganzen Welt gibt. – Zitat Ende." Jason wandte sich von der Jury ab und sah Jack an, der bis dahin nichts von diesen Aufzeichnungen wusste und der nun da saß und weinte. "Sehen Sie sich diesen jungen Mann an, ein Lehrer und ja, ein Homosexueller. Sehen Sie, was er für Amy und auch für ihre Mutter fühlt. Wollen Sie Jennifer Lindley den letzten Wunsch verweigern, für jemanden, der Amy nicht kennt und nur wenige Wochen mit ihrer Mutter zusammen war, wo es doch jemanden gibt, der Amys Mutter seit dem sechzehnten Lebensjahr kannte und eine tiefe Freundschaft zu ihr pflegte? Wollen Sie Amy, nun nachdem sie ihre Mutter verloren hat, auch noch aus den Armen des Mannes reißen, der der einzige Vater ist, den sie je kannte?"
Jason erwartete an dieser Stelle selbstverständlich keine Antwort. Sicheren Schrittes ging er zurück zu Jack und nahm neben ihm platz.

"Die Jury und ich werden uns nun für dreißig Minuten zurückziehen. Bitte finden Sie sich wieder pünktlich hier ein."
Damit erhob sich der ehrenwerte Richter und Jack sah Jason fassungslos an.
"Woher wussten Sie von dem Video?"
"Dawson hat es mir vorgestern zugeschickt. Er hat es wenige Tage vor Jens Tod mit ihr aufgenommen und wurde gebeten es zu verwahren, bis Amy das zwölfte Lebensjahr erreicht. Natürlich wusste er, was noch auf dem Band war und er dachte, dass es hilfreich für uns sein könnte."
"Oh Gott", kam es kaum hörbar von Jack er schlug die Hand vor den Mund. Von hinten spürte er, wie sich eine starke Hand sanft auf seine Schulter legte.
Es war Doug und Jack drehte sich zu ihm um. "Lass uns etwas frische Luft schnappen gehen."
Jack nickte nur und stand, noch immer völlig benommen, auf.

~*~

Mrs. Ryan betete wohl an die zehn mal das Vaterunser immer wieder schnell vor sich her, als der Richter davor war seine Entscheidung zu verkünden. Sie spürte ihr Herz, welches schnell, jedoch äußerst schwach gegen ihre Rippe pochte.
Um sich etwas zu beruhigen, schloss sie die Augen und erst als sie die Jubelschreie von Jack und Doug hörte, öffnete sie diese wieder.

Sie hatten gewonnen! Amy würde bei ihnen bleiben. Bei ihrer wahren Familie. Lächelnd und über glücklich stemmte sie sich auf. Sie wollte zu Jack und ihn umarmen.
Schnell, für sie zu schnell, stürmte sie an den Menschen leeren Bänken vorbei. Ihr Herz raste, es klang seltsam. Nicht gerade kräftig. Sie verringerte ihre Schritte, als ihr klar wurde, dass sie zu hastig reagiert hatte und alles um sie herum zu verschwimmen begann. Vorsichtig versuchte sie sich auf etwas zu stützen, sich irgendwo festzuhalten, wollte nur kurz Luft schnappen... doch dann wurde alles schwarz um sie herum.

Erst wenige Minuten später bemerkte man die Frau, welche, völlig bleich im Gesicht, bewegungslos zwischen den Gerichtsbänken lag. Und ein markerschütternder Schrei von Jack hallte durch den Saal.


Fade to black...


Enter the security code shown below: