Comfort for another by Nadia

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Story notes:

Widmung: Für Sina. *zuBodenknuddel*

Spoiler: Ganz unten [Uncharted Waters]
Sie saß auf dem Fenstersims in ihrem Zimmer und wartete ungeduldig auf die Rückkehr von Jack, dem sie unbedingt von ihrem Erlebnis mit Abby erzählen wollte. Sie konnte es noch immer nicht glauben, was dieses Mädchen ihr in gewissem Maße anvertraut hatte.

Konnte es sein, dass Abby tatsächlich nur das böse Mädchen spielte, das dadurch verzweifelt versuchte ihrem Leben mehr Dramatik hinzufügen, oder war auch diese Erzählung erneut nur einer ihrer fiesen Streiche? Doch hätte Abby sie dann mitgenommen? Wohl kaum…

Andie seufzte, als sie ihre Augen für einen kurzen, nachdenklichen Moment schloss und schließlich wieder öffnete, nur um nicht nur Jack, sondern auch Pacey die Auffahrt heraufkommen zu sehen. Ein erfreutes Lächeln zeichnete sich auf ihre Lippen und ihre Augen strahlten. Besonders als sie den Pokal in Paceys Hand ausmachte, konnte sie sich ein höchst erfreutes Aufquieken nicht mehr verkneifen.

Die Jungs sahen zu ihr auf. Pacey blieb stehen und schaute Jack nach, der in Richtung Eingangstür weiterging. Als sein Blick wieder hinauf zum Fenster glitt, war Andie verschwunden, jedoch nur, um kurz darauf aus dem Haus und auf ihn zuzulaufen. Im Vorbeigehen drückte sie ihren Bruder kurz zur Begrüßung, doch ihr Augenmerk hing an ihrem Freund.

„Pacey!“, lächelte sie fröhlich und stürmte auf ihn zu, riss ihn mit ihrer Umarmung fast um, so dass sie um ein Haar auf dem steinigen Boden der Auffahrt gelegen hätten. „Ihr habt tatsächlich gewonnen! Ich freue mich ja so für dich!“ Sie blickte ihm flüchtig in die Augen, bevor sie ihm einen ebenso zärtlichen, wie leidenschaftlichen Kuss gab. „Ich bin wirklich stolz auf dich.“

„Danke“, sagte er nach einer kleinen Weile, jedoch mit wenig Begeisterung. „Das ist lieb von dir, Andie.“

„Was ist mit dir?“ Ihr besorgter Blick hing an seinem. „Freust du dich denn nicht?“

„Das ist mal wieder eine lange Geschichte, und ich will dich nur ungern damit langweilen.“

Andie sah es Pacey deutlich an, dass er versuchte seinen traurigen Blick, und das was damit verbunden war, zu verbannen, doch es wollte ihm nicht gelingen.

„Wie war dein Wochenende?“, erkundigte er sich bei ihr, um das Thema von sich selbst abzulenken. Dabei nahm er liebevoll ihr Gesicht in seine Hände und streichelte mit den Daumen über ihre Wangen.

Sie sah ihn aus zusammengezogenen Brauen und Augen an. „Es war okay, aber deins offensichtlich nicht. Kannst du, oder willst du nicht mit mir darüber reden, Pacey? Was ist passiert? Warum bist du so niedergeschlagen, obwohl du vor Stolz platzen solltest?“

Er schüttelte nur den Kopf und ging an Andie vorbei, in Richtung Hauseingang. Er wollte sie jetzt nur in seiner Nähe wissen und nicht noch mal dieses grauenvolle Wochenende in seinen Gedanken Revue passieren lassen. Nicht noch einmal ganz unten landen, dort wo sein Vater ihn hinunter gestoßen und von wo ihn sein Freund Dawson wieder mühsam hoch gezogen hatte. Und er wollte vor allem nicht Andies gute Laune zunichte machen.

Doch als sie in Andies Zimmer standen musste er sich ihrem fragenden Blicken gegenüber sehen. Sie war nicht bereit locker zu lassen.
Pacey legte sich auf ihr Bett und stellte den Pokal daneben, auf den kleinen Tisch. Seine Augen hatten einen Punkt an der Decke fixiert und er seufzte schwermütig, während Andie sich zu ihm setzte und eine Hand auf seine Brust legte.

„Vielleicht tut es gut, wenn du darüber redest“, flüsterte sie in seine Richtung.

Er schloss die Augen. „Es ist wieder mal mein Vater, nichts weiter.“ Sie kannte bereits Paceys familiäre Situation und so konnte er den Prolog auslassen und sofort zum Kern der Erzählung vordringen. „Ich dachte, dass ich ihn wenigstens einmal im Leben dazu bringen würde, dass er wenigstens etwas stolz auf mich ist, stattdessen hat er mir gesagt, dass ich dieses Triumphgefühl genießen solle, da es wohl so schnell nicht wieder aufkommen würde.“ Für einige Sekunden sah er das Mädchen an seiner Seite an.

„Was hast du daraufhin zu ihm gesagt?“, fragte Andie vorsichtig und Pacey schüttelte nur den Kopf.

„Ich glaube, dass er der einzige Mensch ist, der mir immer dann am meisten wehtut, wenn ich es am wenigsten erwarte. Er zerstört systematisch das letzte bisschen Selbstbewusstsein, das mir noch geblieben ist und das schon seit Jahren. Ich wünschte er würde mir ein Messer an die Kehle setzen, anstatt mir immer diese fiesen Nadelstiche zu versetzen.“

Andie nahm wahr, wie ihm Tränen in die Augen stiegen und musste bei seinen Worten selbst schlucken.

„Ich weiß nicht, was ich sagen soll“, gestand sie nach einiger Zeit.

„Das wusste ich auch nicht, und ich weiß auch nicht, ob ich es jemals fertig bringe ihm meine Meinung ins Gesicht zu sagen. Er weiß, dass ich trotz allem immer noch soviel Respekt vor ihm habe, es ihm nicht zu sagen, und seine Anerkennung suche, und das nutzt er aus.“

Andie nickte schwach. „Wäre ich an deiner Stelle, würde ich mich wohl kaum anders verhalten. Wir suchen immer die Anerkennung und den Respekt bei den Leuten, die wir offenbar nicht zufrieden stellen können.“ Nach einer Pause fuhr sie fort. „Ich weiß, dass meine Meinung, die deines Vaters nicht ersetzen kann, aber du sollst wissen, dass ich sehr stolz darauf bin deine Freundin zu sein. – Und es tut mir weh dich so traurig zu sehen und dir nicht helfen zu können. Du warst so oft für mich da und ich weiß beim besten Willen nicht, wie ich dir in dieser Situation helfen kann.“

„Es hilft mir schon, dass ich hier bei dir sein kann. Du gibst mir die Geborgenheit, die ich jetzt brauche, Andie. – Vielleicht sollte ich mich einfach damit abfinden, dass mein Vater in mir ewig den Versager sehen wird, den er scheinbar auch sehen will“, raunte Pacey und zog Andie zu sich nach hinten.

Langsam ließ sie sich auf seine Brust sinken und lauschte einen Augenblick dem Klang seines Herzens.

„Hauptsache ist“, begann sie nach einiger Zeit, „dass du dich selbst nicht als diesen Versager siehst. Dass du weißt, dass ich dich genau so liebe, wie du bist und dass ich Tag für Tag stolz darauf bin, mit dir zusammen zu sein.“

Pacey lachte leise in sich hinein, sagte jedoch nichts weiter dazu. Vielleicht hatte sein Vater ja recht, mit dem was er gesagt hatte, vielleicht würde er niemals wieder ein solches Hochgefühl wie nach dem Angeltrip erfahren. Womöglich war er dazu bestimmt zu versagen, niemals etwas aus sich zu machen. Und auch Andie würde irgendwann sehen, dass sie ohne ihn besser dran war. Dass es besser für sie selbst wäre, würde sie nicht immer wieder die Scherben seines selbst aufsammeln und liebevoll zusammen setzen, so wie sie es gerade tat.

Zuerst hatte er hierher zu Andie kommen wollen, damit sie ihn wieder aufbaute, doch jetzt kam ihm diese Idee dumm vor. Er durfte sie nicht damit belasten. Sie hatte wahrlich genug mit sich selbst und den eigenen Problemen zu tun.
Vorsichtig schob er Andie wieder von sich herunter und setzte sich im Bett auf. Sein Blick hing einige Augenblicke an der Trophäe und glitt dann zu dem wunderschönen blonden Mädchen, das er mehr als sich selbst liebte.

„Ich schätze, ich sollte lieber nachhause gehen.“ Seine Stimme war leise, aber fest. Die Tränen waren versiegt.

„Du kannst doch noch etwas bleiben. Wir machen bald Abendessen“, versuchte Andie ihn umzustimmen und lächelte dabei gequält. Sie kannte ihn gut genug, um zu wissen, dass er jetzt das Alleinsein bevorzugte, auch wenn es gerade nach so einem Wochenende nicht wirklich gut war allein zu sein.

Er erwiderte ihr lächeln und küsste sie zärtlich auf die Stirn. „Danke, aber ich gehe lieber jetzt zurück in die Höhle des Löwen und stelle mich meinem Vater. Er wird sich wie immer daran hochziehen und mich fertig machen. Und je eher ich das hinter mir habe, desto schneller geht wieder alles seinen gewohnten Gang.“

Andie nickte schwermütig und Pacey stand auf. Den Pokal nehmend und seufzend wandte er sich zum gehen.

„Ich liebe dich, Pacey, was immer auch sein wird. Vergiss das bitte nicht, okay?“

Diesmal nickte er. „Und ich liebe dich“, sagte er. Dann ging er langsam hinüber zur Tür, ohne sich nochmals nach Andie umzusehen und verließ sowohl das Zimmer als auch das Haus der McPhees.


ENDE




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