1.04 Richtung Nirgendwo by Nadia

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1.04 Richtung Nirgendwo

Was bisher geschah

Padmé und Obi-Wan erreichen schließlich mit Hilfe von Bail Organa Naboo. Der Senator Alderaans verabschiedet sich schwermütig und setzt seine Reise ins Dagobah-System fort, wo er Altmeister Yoda absetzen soll.
Scarlett fühlt sich unterdessen fit genug das Med-Center wieder zu verlassen. Allerdings hatte sie nicht mit den Sturmtruppen gerechnet, die direkt vor dem Gebäude Posten bezogen haben, um dieses zu überwachen.
Der Imperator und Darth Vader besuchen die Wissenschaftlerin Jenna Zan Arbor, die überzeugt davon ist, dass sie Vader helfen kann unsterblich zu werden.



Ihr Gegenüber sah sie mit finsterer Miene an, den Blaster in sicherem Griff. Scarlett wusste, dass sie nicht schnell genug an ihr Lichtschwert kommen würde, um ihren Gegner zu entwaffnen. Ihre Verletzung würde sie in ihrer Bewegung bremsen und im Grunde wollte sie ihren Gegenüber auch nicht angreifen – nicht, wenn es nicht unbedingt notwendig wurde.

„Danke“, sagte Scarlett und verwirrte damit ihren Gegenüber. Der junge Mann sah sie weiterhin entschlossen an. Einzig ein kaum sichtliches Blinzeln seinerseits ließ Scarlett erkennen, dass es ihr gelungen war, ihn durcheinanderzubringen. „Du hast mir das Leben gerettet.“

Er legte den Kopf schief und krauste die junge Stirn. Scarlett schätzte ihn auf höchstens Mitte Zwanzig. „Warum bist du auf der Flucht?“

Anstatt ihm zu antworten stellte sie ihm eine Gegenfrage. „Ist das dein Schiff?“ Scarlett war bemüht sich ihren geschwächten Zustand nicht anmerken zu lassen, um ihm keinen weiteren Vorteil zu verschaffen, sollte sie doch gezwungen sein zu kämpfen.

„Kann sein“, antwortete er knapp und funkelte die Padawan aus braunen Augen an.

Für einen Augenblick sahen sie sich unbewegt in die Augen. „Wohin fliegst du?“ Scarlett wusste, dass sie ihr Glück ziemlich herausforderte. Ihr Instinkt sagte ihr allerdings, dass ihr unfreiwilliger Retter kein böser Mensch war. Er versuchte nur sich zu schützen und legte ein gesundes Maß an Vorsicht an den Tag. Eine Reaktion, die in diesen Tagen mehr als nur verständlich war, wie sie aus eigener Erfahrung nur allzu schmerzhaft gelernt hatte. Etwas in seinen Augen weckte ein gewisses Vertrauen in ihr.

„Ich stelle hier die Fragen. Und wenn du nicht aus der Luftschleuse fliegen willst, sagst du mir jetzt zuerst was ich wissen will, ehe ich irgendwelche Fragen beantworte.“ Damit hatte er seinen Standpunkt klar gemacht. Nicht, dass die Padawan irgendwas anderes erwartet hätte, aber die Bestätigung barg dennoch eine gewisse Befriedigung.

„In Ordnung“, nickte Scarlett. „Ich sage dir, was du wissen willst. Aber es wäre höflicher, wenn du deine Waffe senken würdest.“ Für den Fall, dass er es nicht unlängst bemerkt hatte, machte sie lieber nicht auf ihre Verletzung aufmerksam. Ihre Verbindung zur Macht wurde schwächer je weiter ihre Infektion voranschritt. Sie hatte keine Zeit zu verlieren.

Er zögerte einige Sekunden und musterte sie eingehend. Dann entschied er sich den Blaster zu senken. Zu Scarletts Überraschung reichte er ihr sogar eine Hand und half ihr aus dem Container. „Zunächst interessiert mich wie du heißt.“

„Scarlett Aetanis“, stellte sie sich vor und ließ erst dann seine Hand los. Ein stechender Schmerz durchfuhr ihren Leib und es misslang ihr kläglich sich nichts ansehen zu lassen.

„Ich bin Jarod Thy, Scarlett. Und dies“ er machte eine weiträumige Geste und zeigte damit auf das Schiff, „ist die Sephya.“ Sie verzog den Mund zu einem Lächeln, das von ihren Schmerzen überschattet wurde. Jarod sah sie mit einem gewissen Mitgefühl an, als er ihr gezwungenes Lächeln bemerkte. „Du gehörst ins Med-Center.“

„Von dort komme ich. Aber da ist es nicht mehr sicher.“ Schwindel erfasste sie und trübte allmählich ihren Blick. Die Zeit im Container hatte ihren Zustand nicht gerade verbessert. „Sagst du mir wo du hinfliegst?“

„Wohin willst du denn?“, fragte er entgegen und deutete den schmalen Korridor entlang. „Da hinten ist der Aufenthaltsraum. Du solltest dich setzen und ausruhen.“

Nach ihrem Nicken ging er voran und führte sie in einen kleinen Raum, der gerade genug Platz für eine Kombüse, einen Tisch und einige Stühle bot. „Ich bin nur ein Lieferant. Im Augenblick ist mein Ziel die Reinigungsfirma 'Da Sera' im Unteren Viertel.“

Mit den Firmen auf Coruscant kannte sich Scarlett nicht besonders gut aus. Die Jedi hatten eine eigene Reinigungsabteilung gehabt. Im Grunde waren die Jedi vollkommen autark gewesen. „Ich habe kein bestimmtes Ziel.“ Sie hatte keine Ahnung wo sie hingehen sollte. Im Med-Center hatte sie sich allerdings nicht sicher gefühlt, was auch berechtigt war, nachdem ein halbes Duzend Soldaten der Sturmtruppen vor der Einrichtung Posten bezogen hatten. „Ich musste nur unbemerkt aus dem Med-Center. Dass ich auf deinem Schiff gelandet bin, war reiner Zufall.“

„Verstehe“, sagte Jarod nickend. „Warum sucht man dich? Was hast du verbrochen?“

Ein sarkastisches Lachen verließ ihren Mund und jagte ihr eine erneute Welle brennenden Schmerzes durch den Unterleib. „Ich gehöre der falschen Fraktion an.“

#

„Wir müssen ein Exempel statuieren“, ließ sich Darth Sidious vernehmen und drehte den Sessel so herum, dass sein Blick aus dem großen Panoramafenster auf Coruscant fiel. Hier hatte seine Herrschaft ihre Geburt erlebt. Aus diesem Fenster hatte er den Jedi-Meister Windu gestoßen, der ihm schon viel zu lange ein Dorn im Auge gewesen war.

Mechanisches Einatmen erklang. „Wie sieht Euer Plan aus, mein Imperator?“ Darth Vader stellte sich neben seinen Meister und folgte dessen Blick aus dem Fenster. Der Luftverkehr hatte deutlich abgenommen. Viele Bürger fürchteten das neue Regime und hatten den Kernplaneten verlassen.

„Ich dachte an eine öffentliche Exekution auserwählter Jedi.“ Dem Imperator war keine Gefühlsregung anzusehen. Seine Stimme klang sachlich, fast ein bisschen gelangweilt.

Wieder atmete Darth Vader ein. „Jenna Zan Arbor wird diesen Zug nicht schätzen. Sie hat deutlich gemacht, dass sie die Jedi für ihre Forschungen braucht.“ Er machte eine kleine Pause. „Und ich dachte wir seien uns einig, dass sie ihre Forschungen betreiben darf.“

Darth Sidious nickte, sah seinen Schüler jedoch weiterhin nicht an, während er mit ihm sprach. „Wir müssen nicht alle exekutieren. Wir haben beinahe ein Duzend Jedi gefangen genommen. Wir werden jene exekutieren, die für Arbors Forschungen am wenigsten Bedeutung haben“, erklärte er stoisch. Dann drehte er seinen Sessel und blickte Darth Vader neben sich an. „Ich spüre Zweifel in dir, mein Schüler.“

Darth Vader haderte einen Moment, dann sagte er bewusst auf die Festigkeit seiner Stimme achtend: „Unter den Gefangenen befindet sich ein Jedi-Meister, der offenkundig Interesse gezeigt hat auf unsere Seite zu wechseln.“

„Bist du dir sicher, dass er nicht versucht uns zu täuschen? Auch den Jedi liegt diese Fähigkeit. Wir sollten weiterhin vorsichtig sein und kein Risiko eingehen.“ Darth Sidious’ Blick richtete sich wieder auf die Skyline Coruscants. Er konnte spüren, dass sein Schüler sich über ihn ärgerte. Wohl, weil er noch immer sehr vorsichtig in seinen Handlungen war. Doch gerade Sidious’ Vorsicht und seine Geduld hatten ihn hierher gebracht. „Es gibt einen Weg, um herauszufinden ob dieser gewisse Jedi tatsächlich zur Dunklen Seite wechseln wird.“ Ungeduld ging von Darth Vader aus. Sein Schüler hatte noch viel zu lernen. „Folter“, sagte Darth Sidious schließlich und erhob sich aus seinem komfortablen Ledersessel, um seinen Schüler anzusehen, der ihn um fast einen Kopf überragte. Er blickte auf eine Stelle des schwarzen Helms hinter welcher er die Augen vermutete. „Du musst lernen Geduld zu haben. Ich spüre, dass du dich danach sehnst zu handeln.“ Mechanisches Einatmen erklang. „Du wirst die Exekution der auserwählten Jedi vollziehen. Das wird dich vielleicht für eine Weile befriedigen.“

„Ja, mein Meister“, sagte Vader und verbeugte sich leicht.

#

Padmé Amidala erreichte unerkannt die Residenz ihrer Familie. Obi-Wan Kenobi folgte ihr die wenigen Stufen zur Haustür hinauf und blickte sich nach allen Seiten um. „Ich halte es für einen Fehler, dass Ihr Eure Familie aufsucht.“

Padmé wollte gerade anklopfen und wandte sich stattdessen zu ihrem Jedi-Begleiter um. „Ich habe meine Familie seit vielen Monaten nicht gesehen, Obi-Wan. Ich muss mich verabschieden. Und ich weiß, dass sie mir helfen können meinen Tod vorzutäuschen.“

„Je mehr Leute eingeweiht werden, desto höher ist das Risiko, dass man Euren Schwindel entdeckt und Euch findet.“ Er hatte gewusst, dass Padmé zeitweilig dickköpfig war. Er hielt ihre Entscheidung sich auf Naboo zu verstecken für einen Fehler und er wäre ein schlechter Beschützer, würde er sie nicht auf seine Bedenken hinweisen. Hier ging es nicht nur um sie, sondern auch um die Sicherheit ihrer Kinder.

Padmé dachte über seine Worte nach. Ihre Augen wanderten zu ihren Kindern, die beide schliefen, dann sah sie Obi-Wan an. „Wo sollen wir denn sonst hin? Ich kann mich nicht einfach irgendwo niederlassen und neu anfangen.“ Sie seufzte und bedachte abermals ihre Babys mit einem liebevollen Blick. Im Grunde wusste sie selbst nicht, warum sie unbedingt hierher kommen wollte. Naboo war ihr Zuhause. Hier war sie immer glücklich gewesen und nun wo sie vor der Tür ihres Elternhauses stand und Obi-Wan in die Augen sah, überkamen sie Zweifel. Ihr Herz hatte sie hierher geführt, doch ihr Verstand sagte ihr, dass sie ihre Entscheidung gründlich überdenken sollte.

Der Jedi seufzte kaum hörbar. Erneut scannte sein Blick die Umgebung. Er war nie ein paranoider Mensch gewesen, doch seit dem Massaker im Jedi-Tempel und seit Commander Cody auf Utapau das Feuer auf ihn eröffnet hatte, hatte sich das geändert. Er war von beinahe jedem dem er je vertraut hatte, betrogen worden, inklusive Anakin. Er hatte seine Lektion gelernt und war nun mehr als vorsichtig.

Padmé wandte sich erneut der Tür zu und hob die Hand. Obi-Wan glaubte bereits, dass sie doch klopfen und um Einlass bei ihren Eltern bitten würde, allerdings sollte er sich täuschen. Ihre flache Hand strich beinahe zärtlich über das massive Holz und sie atmete tief durch. „Lebt wohl“, flüsterte sie, von ihrem alten Leben Abschied nehmend und sah dann Obi-Wan mit Tränen in den Augen an. „Wohin gehen wir?“


Fortsetzung folgt…




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